Minimalismus und Farbe.

Minimalismus und Farbe.

Klare Schnitte, einfache und gerade Silhouette, Naturfarben – Minimalismus ist gerade angesagt wie nie. Labels wie Jil Sander, Boss und Bottega stehen dabei hoch im Kurs. Und auf Instagram, tja – auf Instagram sieht mal wieder (fast) alles gleich aus. Die rosa Filter sind zwar immer noch existent, wurden aber zum Großteil gegen blasse, entsättigte Pre-Sets eingetauscht. Statt Avocadobroten sehen wir die Pouch Bag, viele beigefarbene Blazer und Flatlays aus filigranem, goldenem Schmuck (In der Regel mit beigefarbenem Hintergrund). Denn auf Instagram reden wir zwar immer wieder von Authentizität, leben aber auch jeden Trend im extremistischen Maße aus. Und Minimalismus ist nun mal gerade in.

Minimalismus, Mode und Gesellschaftskritik

Bitte nicht falsch verstehen – ich liebe cleane und minimalistische Designs und bunte Blumenprints und Mustermix habe ich (vor erst) auch ad acta gelegt. Aber Minimalismus bedeutet für mich das Weglassen von Überflüssigem und nicht #mybeigelife in Dauerschleife. Ja, auch ich besitze einige Teile in Naturtönen – zum Beispiel trage ich meinen cremefarbenen Turtleneck super gerne zu einem orangefarbenen Oversized Coat. Beige und Orange – eine super Kombi. Aber genau hier geht es los – bin ich jetzt überhaupt noch minimalistisch und damit in? Immerhin ist orange ganz schön, let’s say intense. Und wenn Minimalismus bedeutet, überflüssiges wegzulassen – soll das bedeuten Farben sind überflüssig? Oder geht es nicht viel mehr um ein viel größeres Ideal als nur den beigen Blazer?

Mode hat schon immer Gesellschaftskritische Elemente aufgriffen, verarbeitet. In den 80er Jahren haben Frauen (langsam) die Chef-Etagen erobert, sich in Männerdominierten Milieus behauptet – der starke Power Suit war geboren. In den 2010ern protestieren wir gegen immer noch existierende Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen, wollen mehr Wertschätzung und zeigen dies mit Statement Shirts. An dieser Stelle noch eine Hommage an die Chanel SS2015 Show.
Nun leben wir aktuell in einer Zeit in der unsere ganze Welt bedroht ist, Klimakrise und Fridays for Future machen uns deutlich, wie wichtig die Rückbesinnung zur Natur ist. Weniger CO2, mehr Natur. Und in der Mode wird nicht nur fast-fashion immer verpönter – Erdtöne und Naturmaterialen sind angesagt wie nie.

Zusammenhänge zwischen Gesellschaftspolitischen Themen und Mode waren immer existent, auch wenn sie uns vielleicht nicht immer auf den ersten Blick bewusst sind. Sicherlich ist nicht jede Trägerin eines beigefarbenen Blazers eine Naturschützerin, andererseits ist auch nicht jede/r der auf Farbe nicht verzichten mag ein Ökobanause.

Minimalismus und Farbe

Der Weg zum Hauptthema führt über Instagram. Ob Selbstinszenierung oder Inspirationsquelle – Die App ist in unserem Alltag kaum noch wegzudenken. Kaum ein großes Modehaus verzichtet noch auf Influencer Marketing. Fragt man einen großen Influencer nach seinem Schlüssel zum Erfolg lautet die Antwort meist “Authentizität” – klingt super. Aber es widerspricht dem anfänglich erwähnten Ausleben von Trends im extremistischen Maße erheblich. Schließlich erneuern wir uns ja nicht Quartalsweise, sondern entwickeln uns bestenfalls langfristig weiter.

Ich mag Farben – aktuell besonders gerne grün und orange. Ich mag Minimalismus, klare Kombinationen und geradlinige Schnitte. Aber (auf die Gefahr hin einige Instagrammer zu schockieren) – Minimalismus und Farben schließen sich nicht aus. Denn wenn Minimalismus bedeutet, überflüssiges wegzulassen, werde ich dennoch niemals auf Farbe verzichten – denn Farben werden niemals überflüssig sein. Ich dosiere sie anders, verzichte auf Color Blocking und setze stattdessen einzelne Akzente.
Betrachten wir Minimalismus mal aus einer anderen Richtung und ignorieren den #mybeigelife Aspekt. Wenn man bedenkt, aus welcher Bewegung heraus, nämlich auf die Besinnung zur Natur, der aktuelle Trend um den Minimalismus entstanden ist – wäre es unter diesem Aspekt nicht angebrachter zu sagen, man verzichtet auf unnötiges indem man gezielter und bewusster konsumiert? Indem wir nicht sagen, Farben sind überflüssig, sondern der nächste spontane Kauf bei NA-KD und Co.? Hand aufs Herz – wir alle haben doch schon mehr als genug Spontan-Käufe getätigt und mehr als genug Teile gehortet, die wir selten bis gar nicht tragen. Statt die Idee des Minimalismus also auf eine Farbpalette zu reduzieren, fassen wir sie weiter und machen einen Lifestyle daraus. Weniger ist Mehr.

Folge:
Teilen:

1 Kommentar

  1. 7. November 2019 / 13:39

    Du schaffst es immer wieder meine Gedanken so gut in Worte zu fassen, dass ich einfach vor dem Bildschirm sitze und nur nicken kann 🙂 Bravo – super Post!!
    ..und der Mantel steht dir sowieso ganz fabelhaft ♥

    xxx
    Tina

    https://styleappetite.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Close