Gedanken des Monats – Instagram und Narzissmus

Gedanken des Monats – Instagram und Narzissmus

Narziss, ein wunderschöner Göttersohn, der von seinem eigenen Spiegelbild fasziniert über einen See gebeugt saß, bis er irgendwann, ganz benommen von seinem eigenen Anblick hineinfiel und ertrank – dumm gelaufen. Narzissmus 2019 bedeutet dabei eher über dem Handy gebeugt sitzen und stundenlang seinen eigenen Instagram Feed zu bewundern und auf Anerkennung in Form von likes zu warten. 
Narzissmus, die Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung eines Menschen, gepaart mit Selbstüberschätzung – gefördert oder zu Tage getragen durch endlose Selbstdarstellung auf Instagram. Aber machen wir es uns damit nicht vielleicht ein bisschen zu einfach? Narziss saß ja immerhin schon über den See gebeugt, da lag die Entwicklung von Social Media noch in ferner Zukunft. Es ist also nicht wie bei der Henne und dem Ei, denn hier ist klar: Narzissmus war schon früher da. Also ist Social Media nicht der Auslöser, höchstens ein verstärkender Faktor und ohne Zweifel sicherlich eine neue Plattform für die grenzenlose Selbstdarstellung.

Instagram und Narzissmus – oder: zwischen Selbstliebe und Selbstzweifel

Wir Menschen sind ja durchaus gerne schnell in Verurteilungen. Selfies im Netz sind per se ein Zeichen der Selbstverliebtheit. Aber erweitern wir die Gleichung mal um den Faktor Selbstzweifel, sieht das Ergebnis ganz anders aus. Wir sehen täglich diese perfekten Feeds und irgendwie wollen wir mithalten können, auch interessant sein. Wäre das FaceTune Selfie dann immer noch ein Zeichen von Narzissmus? Oder sind überoptimierte Bilder, wie wir sie leider viel zu oft sehen, vielleicht auch das Resultat einer von der Generation Y geschaffenen Scheinwelt. Eine Generation die eigentlich spontan ist, Wert auf Work-Life-Balance legt und weltoffen ist, hat sich in den sozialen Medien fast eine Art Parallelwelt konstruiert hat. Eine Welt in der alle perfekt sein müssen und es dank Filter und Co. auch können. Ist der perfekte Feed also quasi eine neue Art des Gruppenzwangs geworden?

Gerne werden ja Blogger und Influencer als der Ursprung allen Übels verteufelt, immerhin verdienen sie Geld mit ihrer grenzenlosen Selbstliebe – zumindest heißt es so. Tatsächlich ist das Business durchaus etwas komplexer. Wenn ich mir dann auch noch die Instagram Profile einiger „privater User“ anschaue, die zu 90% aus Selfies bestehen, ist dieser Vorwurf schon fast wieder ironisch.

Es ist nicht nur ok, es ist gut sich selbst zu lieben

Ok, Narzissmus gibt es schon länger und Instagram & Co. sind lediglich neue Plattformen zum Ausleben der gesteigerten Selbstliebe. Aber ist das denn zwangsläufig schlecht? Sicherlich, in seiner extremsten Form führt Selbstliebe dazu, ein etwas einsames und einseitiges Leben zu führen. Aber in gesundem Maße ist Selbstliebe, einhergehend mit einem Selbstwertgefühl doch etwas gutes – und wenn wir uns besser fühlen, wenn wir das eine Pickelchen auf dem Foto weg retuschieren, so what? Deshalb sind wir ja immer noch der gleiche Mensch, nur eben auf dem einen Bild mit einem etwas besseren Hautbild. Aber warum sollte sich jemand daran stören? Solange wir abseits von Social Media auch ein gesundes Social Life, ohne Filter und FaceTune haben ist doch im Grunde alles im grünen Bereich.

Folge:
Teilen:

1 Kommentar

  1. Jasmina
    9. Mai 2019 / 13:43

    Tori, du solltest Bücher über Mode schreiben…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Close